Lustige und tiefsinnige Gedichte (1)

Es ist halt schön,
wenn wir die Freunde kommen sehn
Schön ist es ferner, wenn sie bleiben
und sich mit uns die Zeit vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder gehn,
ist´s auch recht schön.
(Wilhelm Busch, 1832-1908)

Nähe des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)

Einen Mohren weiß zu waschen,
trinken aus geleerten Flaschen,
einen Esel nackt bescheren,
eine rauhe Sackpfeif' hären,
einen Pelz im heissen baden,
mit dem Siebe Wasser laden,
einem Tauben Lieder singen,
Sand in ein Register bringen,
In den Wind und Wasser schreiben,
Flugwerk ohne Flügel treiben,
Auf den Sand Paläste bauen,
Weibern auf die Tücken schauen,
Wind, Luft, Lieb und Rauch verhalten,
jünger machen einen Alten,
einen dürren Wetzstein mästen,
Osten setzen zu dem Westen,
Allen Leuten wohl behagen,
Allen was gefällig sagen
Wer sich das will unterstehen,
muß mit Schimpf zurücke gehen.
(Friedrich von Logau, 1604-1655)

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